Acne inversa / Hidradenitis suppurativa
Keine Krankheit, sondern Fluch
Sandra Engel
der Ursachen.
1956 Pillsbury et al.: Verschluss der Haarwurzel als Ursache.
1989 Plewig u. Steger: heutiger Begriff Acne inversa eingeführt.
Sowohl die Bezeichnung Hidradenitis suppurativa (Hs), als auch Acne inversa (Ai) sind falsch.
Erklärung:
Die Erkrankung geht weder nur von den Schweißdrüsen noch nur von den Talgdrüsen aus. Beide sind erst sekundär betroffen.
Hyperceratose des Terminalhaarfollikels
Talg und sonstige Substanzen können durch die Verlegung nicht mehr austreten und sammelt sich im Haarfollikel
Das Haarfolikel dehnt und entzündet sich und bezieht die Talgdrüse in den Vorgang mit ein.
Ein Abszess ist entstanden.
Normales Abszess
Heilt nach Eröffnung ab
Bildet keine Fisteln
Kleine oder keine Narben
Einzelnes Auftreten
Acne inversa Abszess
100%iges Rezidiv
Fistuliert rassant
Bildung von verfärbten derben Narben
Meist mehrere durch Fisteln verbundene Abszesse an verschiedenen Körperstellen
Sowohl Abwehrzellen, als auch die dazugehörigen Botenstoffe sind beim Acne inversa Betroffenen ständig in stark erhöhter Anzahl im Unterhautfettgewebe zu finden.
Bei Abszessbildung beginnt eine extreme unkoordinierte Abwehrreaktion die zu massiven Entzündungen innerhalb kürzester Zeit führen.
Allen voran, scheint der Tumornekrosefaktor alpha ( TNA-alpha ) am Prozess beteiligt zu sein
→ metabolisches Syndrom, Störung des gesamten Stoffwechsels ←
Ekelgefühl durch belästigenden Geruch (Wenn sich die Geschwüre öffnen)
Entstellungsproblematik durch Narben verbunden mit Schamgefühl
Soziale Isolation
Angststörungen
Suchtgefahr durch Rauchen, Essstörungen, Analgetikaabusus
Erhöhte Suizidgefahr
Zwangsstöhrungen vor allem den Ekel abwaschen zu wollen
Stärkste Einschränkung der Lebensqualität im Vergleich mit anderen Dermatosen , auch Melanomerkrankungen (messbar durch DLQI) ( von Werth 2001 )
Bei ausgeprägter und/oder langbestehender Acne inversa
Erysipel
Lymphödeme (vor allem Elephantiasis im Genitalbereich)
Wiederkehrende Entzündungen mit Blockade der lokalen Lymphdrainage-Strecken
Weichtteilphlegmone mit folgender Sepsis
Maligne Entartung (Plattenepithelkarzinom – fast ausschließlich im Genitoanalbereich)
Die Narbenzüge können zu Bewegungseinschränkungen (vor allem bei axillären Manifestationen) führen
Die Schwere der Erkrankung und somit auch die Schwierigkeit eine kurative Behandlungsform zu finden, kann auch durch die folgende histologische Auswertung erkannt werden:
Akanthotisch verbreiterte Epidermis. Dermis zeigt eine ausgedehnte Gefäß und Fibroblastenreiche Fibrose. Hierin eingebettet zeigen sich mit Epithel ausgekleidete Gänge und ausgedehnte gemischtzellige entzündliche Infiltrate. Diese sind überwiegend Abszedierend, teils Lymphoplasmazellulär, teils granulomatös. Stellenweise Ausbildung von ödematös aufgelockertem Granulationsgewebe. Der hier untersuchte Befund entspricht dem Vollbild der Acne inversa Grad III nach Hurley.
Hurley Grad
I
Therapie mit Systemischen Anzneimitteln
II
Medikamentöse Behandlung und Exzision lokal begrenzter, auch rezidivierender Läsionen
III
Radikale und großflächige und tiefe operative Exzision
Therapieversuche medikamentös
Therapieversuche medikamentös
Das alles kann jedoch nicht empfohlen werden, da der Nutzen für den Patienten sehr fraglich, bzw. nicht vorhanden ist.
Operative Therapie
Die chirurgische Behandlung bleibt die tragende Säule bei der Behandlung , sowohl von einzelnen, tiefen und vernarbenden Läsionen (Hurley-Grad II), als auch der extensiven Formen der Acne inversa (Hurley-Grad III ).
Die komplette Exzision der erkrankten Areale ist aus Mangel an effektiven und kurativen konservativen Behandlungsmöglichkeiten weiterhin die Therapie der Wahl. Dabei verhalten sich Rezidivquote und Radikalität des Eingriffs zueinander umgekehrt proportional.
Rezidivarten nach Art des Eingriffs
| Art | Rezidivrate |
|---|---|
| Einfache Drainage der Abszesse (Inzision) | 100% |
| Resektion der Abszess- und fistelhaltigen Areale | 48,8% |
| Radikale Exzision mit 1 cm Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe | 2,5-27% |
| Primärverschluss des operativen Defektes | 70,0% |
| Axillaer | 3% |
| Perianal | 0% |
| Inguinoperinealer | 37% |
| Submammärer | 50% |
Rezidivhäufigkeit nach Lokalisation
Postoperative Bilder
Was Patienten ertragen müssen
Psychologische Vorgänge und Ansätze
Klinisch manifesten meist rezidivierenden Depressionen, Denkblokaden, Persönlichkeitsstöhrungen bis hin zu Fatique Symtomatiken.
Psychotherapeutische Ziele
Der Acne inversa Patient muss Selbstwert wieder lernen. Er muss lernen, wieder auf sich selbst zu vertrauen .
Er muss oft, je nach dem wie weit die soziale Isolation fortgeschritten ist, neu lernen auf Menschen zu zugehen und zu interagieren.
Aber er muss auch lernen, eigene Grenzen zu erkennen und sich so wie er ist, trotzdem zu mögen. An erster Stelle sollte aber Stressreduktion stehen.
Was kann der Patient selbst tun?
entzündungshemmende Ernährung optimal Vegane und glutenreduzierte Ernährung.
Optimaler D³ und Zinkspiegel.
Bestmögliche Reduzierung von psychischem Stress
Aufhören zu rauchen.
Regelmäßiger ausreichender Schlaf.
Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten
Acne invera in Zahlen
Unterstützend helfen
Fragen und Anregungen gerne an
sandra.engel@akne-inversa.org