Sven B (Grapiboy)
Student
Emanzipation:
(lat. emancipare = in die Selbstständigkeit Entlassen) Gesellschaftliche und/oder politische (Selbst-)Befreiung aus einem Zustand der Unterdrückung und Diskriminierung. Oft bezeichnet Emanzipation die Befreiung benachteiligter Gesellschaftsschichten, die aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der Religion usw. von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind"
-Kursbuch Geschichte 1
19. Jhd.: Verbesserung der rechtlichen Stellung der Juden
Aufkommender Reichsnationalismus:
Verbindung von Judentum mit Parlamentarismus und Liberalismus
=> Antisemitismus wird Teil antidemokratischer Vorstellungen
Daraus folgt:
Um die Jahrhundertwende bestand schon eine Atmosphäre, die nicht unbedingt günstig für die jüdische Bevölkerung war. Sie waren eine Art "Bürger zweiter Klasse".
Es gab für sie viele Schranken, die sie am Weiterkommen hinderten:
wurden auch im privaten Bereich ausgegrenzt (Vereine etc.)
innenpolitische Konflikte und wirtschaftl. Auseinandersetzungen wurden während des ersten Weltkrieges zurückgestellt:
Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!"
-4. August 1914 Kaiser Wilhelm II. vor dem Reichstag
=> wirkte sich auch auf die Juden aus
Die für die Juden bestehenden Schranken scheinen zu fallen:
Es muss denn das Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Drum auf! Zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross."
-Kaiser Wilhelm II.
Glaubensgenossen! In schicksalsernster Stunde ruft das Vaterland seine Söhne unter die Fahnen. Dass jeder deutsche Jude zu den Opfern an Gut und Blut bereit ist, ist selbstverständlich. Wir rufen Euch auf, über das Maß der Pflicht hinaus Eure Kräfte dem Vaterlande zu widmen."
-Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
Juden haben durch den ersten Weltkrieg die Hoffnung, endlich nicht nur auf dem Papier gleichberechtigt zu sein, sondern sich als vollwertige Bürger zu beweisen.
Ihre Gründe am Krieg teilzunehmen sind also nicht ausschließlich patriotisch.
Fazit:
Bei Kriegsbeginn hatte sich die Situation der Juden beträchtlich verbessert (vgl. Aufstiegschancen),
da sie nun auch Aussicht auf dauerhafte Gleichberechtigung/Gleichbehandlung hatten.
Bsp.:
Erstmaliger Einsatz von Feldrabbinern als Seelsorger an der Front
Mit dem Fortschreiten des Krieges und Ausbleiben schneller Kriegserfolge schlug die Stimmung allmählich um.
Nöte, Opfer und Entbehrungen verschlimmerten dies noch.
=> vorhandene soziale Spannungen verschärften sich
Es kommt Zweifel an der Pflichterfüllung/dem Patriotismus der Deutschen Juden auf
Überall grinst ihr Gesicht, nur im Schützengraben nicht!"
- im Militär geprägter Reim
Auch Rathenau, der Walther, Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau, Die gottverdammte Judensau!“- Hetzlied gegen Walther Rathenau
Je mehr Juden in diesem Kriege fallen, desto nachhaltiger werden ihre Gegner beweisen, dass sie alle hinter der Front gesessen haben, um Kriegswucher zu treiben. Der Hass wird sich verdoppeln und verdreifachen."
- Walther Rathenau nach Abtritt aus seinem Amt im Kriegsministerium
amtl. Titel "Nachweisung der beim Heere befindlichen wehrpflichtigen Juden"
staatl. angeordnete Erhebung, welchen Anteil die jüdischen Soldaten im deutschen Heer haben
Ermittlung der Zahlen der:
=> Ressentiments gegen jüdische Kriegsteilnehmer
Juden sahen Erlass und anschließende Geheimhaltung als:
Juden wurden öfter degradiert und seltener befördert
Geheimhaltung aufgrund von "Rücksicht auf den Inneren Frieden" => Verstärkung antisemitischer Vorurteile
Beamte des Kriegsministeriums verbreiteten das Gerücht, die Zahlen werden zum Schutze der Juden geheim gehalten, da die Zahlen sonst zu verheerend seien
für jüdische Soldaten: Klares Zeichen, dass niemand ihren Einsatz anerkennt
weitere Antisemitische Maßnahmen:
Die nach dem Krieg veröffentlichten Zahlen erwiesen sich außerdem als falsch, wie Franz Oppenheimer aufdeckte.
~ 550.000 deutsche Juden
~ 100.000 davon waren am Krieg beteiligt
~ 78.000 davon kämpften an der Front
~ 30.000 davon mit militärischen Auszeichnungen
~ 19.000 wurden befördert
~ 2.000 davon in Offiziersränge => Antisemitismus im Heer
17.3% zum Kriegsdienst eingezogen
15.6% wehrpflichtig
77% davon haben an Fronteinsätzen teilgenommen
=> proportional ähnlich viele jüdische wie nicht jüdische
Flugblatt von 1920 (Reichsbund jüdischer Frontsoldaten)
Jahrelange Propagande versprach Sieg, bei der Aussicht auf eine Niederlage: Suche nach Sündenbock
Grundmuster:
Kriegsniederlage abschieben
militärischer Bereich => ziviler Bereich
Fehler liegt nicht bei:
"Dolchstoß von hinten" erstmals in der Neuen Züricher Zeitung vom 17. Dez. 1918 genannt.
Bsp.: Vorsitzender des Alldeutschen Bundes fordert am 3. Oktober 1918 die Gründung einer
großen, tapferen und schneidigen Nationalpartei und rücksichtslosesten Kampf gegen das Judentum, auf das all der nur zu berechtigte Unwille unseres guten und irregeleiteten Volkes abgelenkt werden muss.“
=>antisemitische Form der Dolchstoßlegende wird verbreitet
Abwälzung der Kriegsniederlage auf "internationales Judentum":
"Weltjudentum" ist eine Verschwörungstheorie, die schon seit dem Mittelalter besteht und davon ausgeht, dass ein internationales Kollektiv von Juden die Weltherrschaft anstrebt.
Die Heimat - das Hinterland - sollte die dem Feind zugewandte Front rückhaltlos unterstützen.
Der Sieg, nur durch Zusammenhalt erreichbar, hängt vom Siegeswillen der Nation ab.
Vorwurf, die Juden seien Vaterlandsverräter, da:
=> Juden seien feige, hinterhältig und weibisch
Tatsächlich zur Niederlage führten allerdings andere Gründe, unter anderem:
=>All dies führte zu Vorbehalten und Zweifeln in der Bevölkerung, immer weniger Deutsche glaubten daran, dass der Krieg im Sinne Deutschlands sei
Österreichische Postkarte von 1919
Im ersten Weltkrieg verbreitete sich der Antisemitismus wie ein Lauffeuer, weshalb es nach dem ersten Weltkrieg auch schon gewaltsame Übergriffe gegen die Juden gab.
Somit hatte sich die Hoffnung der Juden auf Gleichberechtigung in Luft aufgelöst, und der Krieg wurde zur bitteren Enttäuschung, danach stand es um ihre Reputation sogar fast noch schlechter als davor.
http://www.deutschlandradiokultur.de/erster-weltkrieg-stolz-und-vorurteil.1079.de.html
Bücher:
Bilder:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:1920_poster_12000_Jewish_soldiers_KIA_for_the_fatherland.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Stab-in-the-back_postcard.jpg
By Sven B (Grapiboy)