Juden im ersten Weltkrieg

Gliederung

  • Situation vor dem ersten Weltkrieg
    • Jüdische Emanzipation
    • Nationalismus und Antisemitismus
  • Situation zu Beginn des ersten Weltkriegs
    • Burgfriedenspolitik
  • Situation während dem ersten Weltkrieg:
    • Judenzählung
    • Dolchstoßlegende
  • Situation nach Ende des ersten Weltkriegs
  • Quellen

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  • Quellen

Situation vor dem ersten Weltkrieg

Jüdische Emanzipation

​​

Emanzipation:

(lat. emancipare = in die Selbstständigkeit Entlassen) Gesellschaftliche und/oder politische (Selbst-)Befreiung aus einem Zustand der Unterdrückung und Diskriminierung. Oft bezeichnet Emanzipation die Befreiung benachteiligter Gesellschaftsschichten, die aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der Religion usw. von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind"

-Kursbuch Geschichte 1

  • Anfangs: Berufsverbote, Diskriminierung, Ungleichheit
  • 1862:        Großherzogtum Baden gewährt den Juden                          uneingeschränkte Gleichberechtigung
  • 1864:        freie Stadt Frankfurt tut selbiges
  • Juli 1869:  Otto von Bismarck unterzeichnet das "Gesetz,                  betreffend die Gleichberechtigung der                                Konfessionen in bürgerlicher und                                          staatsbürgerlicher Beziehung"
  • 1871:         im Kaiserreich deutsches Staatsgesetz

19. Jhd.: Verbesserung der rechtlichen Stellung der Juden

Nationalismus und Antisemitismus

Aufkommender Reichsnationalismus:

  • bringt Emanzipation der Juden ins Stocken
  • Feindschaft wird befördert durch wirtschaftl. Rezession
    • Juden oft erfolgreich in Industrie, Banken, etc.
  • Nationalisten hatten Angst um ihre Privilegien
  • Früher religiös/wirtschaftl./kulturell begründeter Antisemitismus nun "rassisch" begründet

 

Verbindung von Judentum mit Parlamentarismus und Liberalismus

=> Antisemitismus wird Teil antidemokratischer Vorstellungen 

Daraus folgt:

Um die Jahrhundertwende bestand schon eine Atmosphäre, die nicht unbedingt günstig für die jüdische Bevölkerung war. Sie waren eine Art "Bürger zweiter Klasse".

 

Es gab für sie viele Schranken, die sie am Weiterkommen hinderten:

  • keine höheren Richterämter
  • blockierte Universitätslaufbahnen
  • keine Offizierskarrieren

 

wurden auch im privaten Bereich ausgegrenzt (Vereine etc.)

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Situation zu Beginn des ersten Weltkriegs

Burgfriedenspolitik

innenpolitische Konflikte und wirtschaftl. Auseinandersetzungen wurden während des ersten Weltkrieges zurückgestellt:

 

Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!"

-4. August 1914 Kaiser Wilhelm II. vor dem Reichstag

 

 => wirkte sich auch auf die Juden aus

Die für die Juden bestehenden Schranken scheinen zu fallen:

  • Juden können Offiziere werden
  • antisemitische Hetzkampagnen werden zensiert
  • aufkommende Welle des Patriotismus 
    • viele Juden melden sich freiwillig beim Militär

 

Es muss denn das Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Drum auf! Zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross."

-Kaiser Wilhelm II.

Glaubensgenossen! In schicksalsernster Stunde ruft das Vaterland seine Söhne unter die Fahnen. Dass jeder deutsche Jude zu den Opfern an Gut und Blut bereit ist, ist selbstverständlich. Wir rufen Euch auf, über das Maß der Pflicht hinaus Eure Kräfte dem Vaterlande zu widmen."

-Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens

Juden haben durch den ersten Weltkrieg die Hoffnung, endlich nicht nur auf dem Papier gleichberechtigt zu sein, sondern sich als vollwertige Bürger zu beweisen.

 

Ihre Gründe am Krieg teilzunehmen sind also nicht ausschließlich patriotisch.

Fazit:

Bei Kriegsbeginn hatte sich die Situation der Juden beträchtlich verbessert (vgl. Aufstiegschancen),

da sie nun auch Aussicht auf dauerhafte Gleichberechtigung/Gleichbehandlung hatten.

 

Bsp.:

Erstmaliger Einsatz von Feldrabbinern als Seelsorger an der Front

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Situation während dem ersten Weltkrieg

Mit dem Fortschreiten des Krieges und Ausbleiben schneller Kriegserfolge schlug die Stimmung allmählich um.

 

Nöte, Opfer und Entbehrungen verschlimmerten dies noch.

=> vorhandene soziale Spannungen verschärften sich

  • Judenhass flammt wieder auf
  • Hetzpresse und Diffamierungskampagnen werden wieder aufgenommen

 

Es kommt Zweifel an der Pflichterfüllung/dem Patriotismus der Deutschen Juden auf

Überall grinst ihr Gesicht, nur im Schützengraben nicht!"

- im Militär geprägter Reim

Auch Rathenau, der Walther, Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau, Die gottverdammte Judensau!“

- Hetzlied gegen Walther Rathenau

 

Je mehr Juden in diesem Kriege fallen, desto nachhaltiger werden ihre Gegner beweisen, dass sie alle hinter der Front gesessen haben, um Kriegswucher zu treiben. Der Hass wird sich verdoppeln und verdreifachen."

- Walther Rathenau nach Abtritt aus seinem Amt im Kriegsministerium

Judenzählung

amtl. Titel "Nachweisung der beim Heere befindlichen wehrpflichtigen Juden"

staatl. angeordnete Erhebung, welchen Anteil die jüdischen Soldaten im deutschen Heer haben

 

Ermittlung der Zahlen der:

  • Kriegstauglichen
  • an der Front Dienenden
  • Verlegten
  • gefallenen jüdischen Wehrpflichtigen
  • Erlass des preußischen Kriegsministers Adolf Wild  von Hohenborn 
  • Reaktion auf Antisemitismus im Offizierskorps und die Propaganda in Medien, Parteien und antisemitischen Verbänden, Juden seien "Drückeberger"
  • Ergebnisse wurden bis Kriegsende geheim gehalten

      => Ressentiments gegen jüdische Kriegsteilnehmer

 

Juden sahen Erlass und anschließende Geheimhaltung als:

  • Diskriminierung
  • Parteinahme für Antisemiten
  • Scheitern liberaler Integrationsbemühungen

Folgen der Judenzählung

Juden wurden öfter degradiert und seltener befördert

Geheimhaltung aufgrund von "Rücksicht auf den Inneren Frieden" => Verstärkung antisemitischer Vorurteile

 

Beamte des Kriegsministeriums verbreiteten das Gerücht, die Zahlen werden zum Schutze der Juden geheim gehalten, da die Zahlen sonst zu verheerend seien

 

für jüdische Soldaten: Klares Zeichen, dass niemand ihren                                           Einsatz anerkennt

 

weitere Antisemitische Maßnahmen:

  • Klagen über die Zählung wurden mit Denunzierung und einem Verfahren wegen Dienstvergehen vergolten
  • Nachmusterungen
  • Zuführung jüdischer Soldaten vom Schreibdienst in den "praktischen Dienst"

 

Die nach dem Krieg veröffentlichten Zahlen erwiesen sich außerdem als falsch, wie Franz Oppenheimer aufdeckte.

 

Tatsächliche Zahlen

~ 550.000 deutsche Juden

~ 100.000 davon waren am Krieg beteiligt

~ 78.000 davon kämpften an der Front

~ 30.000 davon mit militärischen Auszeichnungen

~ 19.000 wurden befördert

~ 2.000 davon in Offiziersränge => Antisemitismus im Heer

17.3%  zum Kriegsdienst eingezogen

15.6% wehrpflichtig 

77% davon haben an Fronteinsätzen teilgenommen

=> proportional ähnlich viele jüdische wie nicht jüdische

Flugblatt von 1920 (Reichsbund jüdischer Frontsoldaten)

Dolchstoßlegende

Jahrelange Propagande versprach Sieg, bei der Aussicht auf eine Niederlage: Suche nach Sündenbock

Grundmuster:

Kriegsniederlage abschieben

militärischer Bereich => ziviler Bereich

 

Fehler liegt nicht bei:

  • zu hoch gesteckten Kriegszielen
  • Armeeführung
  • Erschöpfung der Soldaten
  • wirtschaftlicher/militärischer Unterlegenheit

"Dolchstoß von hinten" erstmals in der Neuen Züricher Zeitung vom 17. Dez. 1918 genannt.

 

Bsp.: Vorsitzender des Alldeutschen Bundes fordert am 3. Oktober 1918 die Gründung einer

großen, tapferen und schneidigen Nationalpartei und rücksichtslosesten Kampf gegen das Judentum, auf das all der nur zu berechtigte Unwille unseres guten und irregeleiteten Volkes abgelenkt werden muss.“

 

=>antisemitische Form der Dolchstoßlegende wird verbreitet

Abwälzung der Kriegsniederlage auf "internationales Judentum":

 

"Weltjudentum" ist eine Verschwörungstheorie, die schon seit dem Mittelalter besteht und davon ausgeht, dass ein internationales Kollektiv von Juden die Weltherrschaft anstrebt. 

Die Heimat - das Hinterland - sollte die dem Feind zugewandte Front rückhaltlos unterstützen.

Der Sieg, nur durch Zusammenhalt erreichbar, hängt vom Siegeswillen der Nation ab.

 

Vorwurf, die Juden seien Vaterlandsverräter, da:

  • sie sich vor dem Krieg gedrückt hätten (Drückeberger)
  • sie sich am Krieg bereichert hätten (Kriegsgewinnler)
  • sie seien mit den Liberalen und den Sozialdemokraten dem Vaterland in den Rücken gefallen (Dolchstoß)

 

=> Juden seien feige, hinterhältig und weibisch

Tatsächlich zur Niederlage führten allerdings andere Gründe, unter anderem:

  • Fortsetzung des Krieges
  • Beibehaltung von Annexionszielen trotz hoher Kriegsopfer
  • Unterdrückung demokratischer Partizipation
  • Hunger, Nöte, etc.

 

=>All dies führte zu Vorbehalten und Zweifeln in der                  Bevölkerung, immer weniger Deutsche glaubten daran,        dass  der Krieg im Sinne Deutschlands sei

Österreichische Postkarte von 1919

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  • Quellen

Situation nach Ende des ersten Weltkriegs

Im ersten Weltkrieg verbreitete sich der Antisemitismus wie ein Lauffeuer, weshalb es nach dem ersten Weltkrieg auch schon gewaltsame Übergriffe gegen die Juden gab.

 

Somit hatte sich die Hoffnung der Juden auf Gleichberechtigung in Luft aufgelöst, und der Krieg wurde zur bitteren Enttäuschung, danach stand es um ihre Reputation sogar fast noch schlechter als davor.

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  • Situation nach Ende des ersten Weltkriegs
  • Quellen

Quellen

Internetquellen

  • http://www.deutschlandradiokultur.de/erster-weltkrieg-stolz-und-vorurteil.1079.de.html
    
  • http://www.deutschlandfunk.de/erster-weltkrieg-als-juedische-soldaten-fuer-deutschland.886.de.html?dram:article_id=289401/1nvepe2/index.html
  • http://www.focus.de/wissen/experten/brenner/serie-die-deutschen-juden-im-ersten-weltkrieg-hoffnung-auf-integration-im-jahr-1914_id_3640607.html
  • http://www.dw.com/de/juden-im-ersten-weltkrieg/a-17808361
  • http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44479
  • http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45302879.html
  • http://www.sueddeutsche.de/politik/juedische-soldaten-im-ersten-weltkrieg-undank-des-vaterlandes-1.2301076
  • https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Emanzipation#Weitere_Entwicklung_im_Deutschen_Bund_.28bis_1871.29
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Deutschland#Kaiserreich_und_Weimarer_Republik_.281871.E2.80.931933.29
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Dolchsto%C3%9Flegende#Entstehung_im_Ersten_Weltkrieg
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Weltjudentum#Deutschland_vor_1933
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Burgfriedenspolitik
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Judenz%C3%A4hlung
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_(bis_1945)#Radikalisierung_im_Ersten_Weltkrieg

Buch- und Bildquellen

Bücher:

  • Schulbuch - Kursbuch Geschichte 1
  • Illustrierte Deutsche Geschichte - Hanns Joachim Friedrichs

Bilder:

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:1920_poster_12000_Jewish_soldiers_KIA_for_the_fatherland.jpg

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Stab-in-the-back_postcard.jpg

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Juden im ersten Weltkrieg

By Sven B (Grapiboy)

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